Einkäufe


Pedro, mein Gastvater, hatte mir vorgeschlagen, morgens laufen zu gehen, um mich schneller zu akklimatisieren. Auf der ungeschriebenen Liste der Dinge, die ich nicht mit nach Peru gebracht habe, wurden daher sporttaugliche Schuhe der erste Punkt, der in einer Ersatzbeschaffung resultieren sollte. Doch wo bekommt man die her? Glücklicherweise hat mein Gastvater nicht nur temporäre sondern auch leibliche Kinder, teilweise weiblichen Geschlechts, was vermutlich überall auf der Welt mit genauer Kenntnis der lokalen Bekleidungsmarktsituation einhergeht. Es war also glücklicherweise unmöglich, das Haus mit den Worten „Ich gehe mir Schuhe kaufen“ aber ohne hilfreiche Beratung zu verlassen, die in diesem Fall aus der Wegbeschreibung zu einem „Centro Comercial“ und dem Hinweis, dass es kein modernes Einkaufszentrum sei, bestand, der nichts daran änderte, dass ich mir darunter vorerst weiterhin ein einzelnes Gebäude vorstellte. Das änderte sich beim Ankommen. In der Nähe der Avenida Goyeneche (Streetview Link) gibt es durchaus die Möglichkeit, alles Mögliche zu kaufen: Pro Warengruppe gibt es Straßenabschnitte, in denen man durch Hauseingänge in Lagerhallen gelangen kann, welche in unzählige kleine einzeln vermietete Geschäfte unterteilt sind, in denen die entsprechende Ware verkauft wird – mit erheblichen Unterschieden hinsichtlich Preis, Qualität und Echtheit der angebotenen Artikel.

Im Gegensatz zum Online-Einkaufen ist sofort plausibel, warum in den Wirtschaftsvorlesungen auf Transaktionskosten bei nicht vollständig transparenten Märkten hingewiesen wurde: Alleine schon das Vergleichen der verschiedenen Angebote verursacht Aufwände.
Ich betrachte das lebendige Treiben und frage mich, wie sich so viele kleine, fast das Identische anbietende Händler rentieren können.
Ein paar Tage später im Praxisunterricht (der besteht aus grammatikalisch und phonetisch möglichst korrektem Sprechen, so dass jeder Themenvorschlag willkommen ist) frage ich meinen Lehrer, ob nicht der Onlinehandel solche Kleinsthändler bedroht. Seine Meinung: Obwohl es Amazon und eBay gibt und sie günstig sind, werden sie aus Angst vor Phishing und Misstrauen gegenüber den Banken nur selten genutzt. Es gebe Gerüchte über Fälle, in denen Banken ihren Kunden bestimmte Abhebungen, die in Städten am anderen Ende des Landes passiert sein sollen, nicht zufriedenstellend erklären können. Wenn das stimmt, rettet das fehlende Vertrauen in Banken hier vielleicht den (noch viel vereinzelteren) Einzelhandel. Nennt man das dann auch Bankenrettung?

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